Der Tourismus in Osttirol

Eine Analyse der Zahlen & Daten aus der Vergangenheit sowie ein Blick auf Trends & Entwicklungen für die Zukunft ermöglichen erst das Ableiten von Strategien für neue Wege im Osttiroler Tourismus.

“Die beste Möglichkeit die Zukunft vorherzusagen, ist sie zu gestalten”
(Joseph Beuys)

 

Dazu ist es wichtig, dass wir uns einerseits der Vergangenheit bewusst sind und andererseits genau beobachten, welche Trends und Entwicklungen vorherrschen. Daraus gilt es Schlüsse zu ziehen, eine Strategie festzulegen und immer wieder auf neue Entwicklungen vorbereitet zu sein.
Ein kurzer Überblick zum gesellschaftlichen Wandel (Österreich Werbung)

10 Trends die Einfluss auf den Osttiroler Tourismus haben

Trend 1: Wertewandel

Allgegenwärtig ist der gesellschaftliche Wertewandel, der sich in der Sehnsucht nach Naturerlebnis, steigendem Gesundheitsbewusstsein und der eigenen Sinn- und Selbstfindung manifestiert.
Die Ursprünglichkeit und Kraft unserer Region ist für Gäste und Einheimische gleichermaßen spürbar. Erlebbar muss sie für die vielen Urlaubsnachfragen nach sicheren und ruhigen sowie authentischen Urlaubsdestinationen, besonders in der heutigen Zeit, noch gemacht werden. Die unvergleichliche Natur- und Kulturlandschaft unserer Heimat muss das Bedürfnis nach bewusst gewählter Auszeit von Stress und Verfügbarkeit, also der Sehnsucht nach „Langsamkeit“ und Entschleunigung treffen.

Trend 2: Öfter & kürzer

Zwei bis drei Wochen Badeurlaub im Sommer und eine Woche Skifahren im Winter zu buchen ist passé. Die Urlauber verreisen öfter und kürzer: Der Urlaub wird auf mehrere Teile im Jahr aufgeteilt, Fenster- und Feiertage werden häufig für ein verlängertes Wochenende am Meer genutzt.
Der Blick auf das Wetter in der nächsten Woche führt zur kurzfristigen Buchungen, auf welche sich alle Anbieter in den Destinationen entsprechend einstellen müssen.

Trend 3: Brauchtum & Tradition

Brauchtum, regionale Kulinarik und Traditionen sind weiterhin ein Top-Trend im Tourismus. Gerade das Leben auf dem Lande bietet viel Geschichte und tolle Geschichten. Achtung: Vorsicht vor Verkitschung, es muss authentisch bleiben.

Trend 4: Vernetze dich mit deinen Gästen

Heutzutage hat jeder sein Smartphone griffbereit. Auch im Urlaub. Mit dem Handy werden Bilder auf Instagram gepostet, Bewertungen online abgegeben, Freunde über das Angebot vor Ort auf Facebook informiert, usw. Wir müssen unseren Gästen zeigen, dass auch wir auf diesen Plattformen unterwegs sind und nur so bekommt man die beste Weiterempfehlung just in time und frei Haus!

Trend 5: Demographischer Wandel

“Old is the new young”, heißt es mittlerweile schon in etlichen Überschriften.
Die älteren Bevölkerungsgruppen werden in Europa weiter wachsen, bei gleichzeitig stagnierenden Geburtenraten. Nicht nur als Urlauber werden uns ältere Menschen in zunehmendem Maße begegnen, auch als Arbeitnehmer werden sie immer mehr. Den Tourismus betrifft diese Entwicklung natürlich doppelt: Einmal aus Sicht des Anbieters von Tourismusleistungen und einmal aus Sicht des Arbeitgebers.

Trend 6: Klimawandel

Es wird zu Veränderungen in den Tourismusströmen kommen, Reisen außerhalb der Sommersaison oder Verlagerung in klassische Winterzeiten.
Die Kosten für die „Instandhaltung“, im Falle Osttirol die Beschneiung, werden weiter steigen.
Die steigende Nachfrage nach umweltverträglichen bzw. sanften Tourismus sowie nach naturbezogenen Reisen wird immer größer werden und fordert eine entsprechende Produktvielfalt.

Trend 7: Globalisierung

Die wachsende Globalisierung wird Werte und Reiseerwartungen junger Menschen (unseren zukünftigen Gästen) beeinflussen. Bei der Erfüllung dieser Erwartungen werden die richtigen Qualitäten der bereitgestellten Informationen und Unterkünfte sowie ihre Zugänglichkeit über moderne Internet- und Kommunikationskanäle eine zentrale Rolle spielen.
Die wachsende Mobilität wird sich auf den touristischen Arbeitsmarkt auswirken, da immer mehr Arbeitsplätze von ausländischen Arbeitskräften belegt werden. Kurzfristig mag dies den angespannten Arbeitsmarkt entlasten, langfristig gesehen wird es jedoch Probleme für die kulturelle „Authentizität“ der angebotenen Dienstleistung und der Destination darstellen.

Trend 8: Reiseerfahrung

Durch häufigeres Reisen werden sich die Touristen immer mehr der Kultur- und Umgebung bewusst. Es wird immer mehr reflektiert und evaluiert. Mit diesem Wachsen an Erfahrungen geht eine Verlagerung von rein extern bestimmten Reisefaktoren (Klima, etc.) hin zu internen Faktoren, wie z.B. der Wunsch nach Persönlichkeitsweiter-
entwicklung und kreativer Entfaltung, einher. Das Mehr an Reise schürt auch den Wunsch nach neuen Erfahrungen bzw. tieferen Erlebnissen.
Das verändert auch die Beziehung zwischen Gast und Gastgeber. Es wird nach authentischen Erlebnissen und nicht nach inszenierten gesucht.

Trend 9 : Mobilität

Touristische Mobilität wird künftig stärker als End-to-End-Leistung verstanden: Wer mitmischen will, muss Kunden die Mühsal der „Letzten Meile“ abnehmen.
Zu einer reibungslosen Mobilitätskette gehört auch das letzte Glied, welches vor allem dann an Bedeutung gewinnt, wenn es um Urlaubsorte geht, die abseits gut angebundener Metropolen liegen.

Trend 10: Veränderung

Wir leben in einer Welt der permanenten Veränderung, in einer „fluiden Gesellschaft“ (Zygmunt Bauman), in der alles ständig im Fluss ist. Europa ist im institutionalisierten Krisenmodus, Terrorgefahren wachsen, Verunsicherung macht sich breit. Je unsicherer die Welt, je kürzer die Lebenszyklen von Produkten und Lifestyles, desto hartnäckiger werden die Sehnsüchte ausgelagert in Freizeit- und Konsumwelten. In einer gesättigten Wirtschaft werden insbesondere Freizeit-Erlebnisse – weit mehr als Produkte – zur Sehnsuchtsfläche für Konsumenten.

Zahlen und Fakten

Ankünfte und Übernachtungen

Die positive Entwicklung der Ankünfte schlägt nicht im gleichen Ausmaß auf die Entwicklung der Übernachtungen durch. Ziel muss daher sein, im Bereich der Aufenthaltsdauer wieder positive Akzente zu setzen.

Aufenthaltsdauer

Im Bereich der Aufenthaltsdauer wird klar ersichtlich, dass Osttirol im Tiroler Durchschnitt wesentlich stärkere Verluste einfährt und somit binnen 20 Jahren keine merklich längeren Aufenthalsdauern verzeichnen kann als Tirol.

Bettenentwicklung Sommer 2012 im Vergleich zu 2016

Die Anzahl der Qualitätsbetten nimmt zu. Im Bereich der Privatzimmer und Bauernhöfe gibt es eine negative Entwicklung, hingegen im Bereich Privat – Ferienwohnung eine leicht positive Entwicklung.

Bettenentwicklung Winter 2012/13 im Vergleich zu 2015/16

Osttirol hat im Winter im Vergleich zum Sommer um 1.429 Betten weniger, dies trotz der sehr positiven Bettenentwicklung im Bereich der Qualitätsbetten. In allen anderen Kategorien ist jedoch die Entwicklung negativ.

Der Blick auf die 20jährige Bettenentwicklung zeigt deutlich, dass der Tourismus in Osttirols Wirtschaft an Bedeutung verliert. Sowohl im Sommer als auch im Winter sind die Zahlen rückläufig. Die Tabelle oberhalb zeigt klar, dass eine längere Betrachtung notwendig ist, denn eine kurzfristig positive Entwicklung innerhalb der letzten Jahre bedeutet keineswegs in Summe eine positive Entwicklung.

Auslastung seit 2010

Speziell im Winter herrscht ein Auslastungsproblem vor. Im Vergleich zu Gesamt-Tirol können die Auslastungszahlen bei weitem nicht erreicht werden. Aber auch im Sommer liegt Osttirol im Auslastungsvergleich zurück, hier allerdings nicht so massiv wie in der Wintersaison.

Betten und Übernachtungen nach Gemeinden: Sommer 2016 und Winter 2015/16

Entwicklung Übernachtungen 1996 bis 2016

Herkunftsmärteentwicklung im Tourismusjahr

In der Betrachtung der letzten 10 Jahre konnte sich lediglich Österreich wirklich positiv entwickeln. In Deutschland kann erst seit 5 Jahren wieder nach voraus gegangenen Verlusten das Niveau von 2006 erreicht werden. Alle anderen Märkte stagnieren auf annähernd niedrigem Niveau.

Herkunftsmärteentwicklung

Der prozentuelle Anteil des deutschen Marktes nimmt zu Gunsten Benelux und Tschechien leicht ab.

Übernachtungen nach Kategorien

Die Wertschöpfung in Osttirol ist im Vergleich zu Gesamt-Tirol geringer, da der Anteil der Nächtigung im Hochpreissegment im Vergleich zu Gesamt-Tirol wesentlich geringer ist.

Übernachtungen nach Monaten

Eine extreme saisonale Verteilung der Nächtigungen wird ganz klar ersichtlich. Osttirol ist von einer Ganzjahresdestination weit entfernt.